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Mobil bezahlen, hinkt Deutschland hinterher?

Wenn man, wie ich, sehr viel in Asien unterwegs ist, dann kommt man nicht umher, sich ab und an mal die Frage zu stellen, ob wir in Deutschland nicht in manchen Bereichen hinterherhinken.

Ich denke generell darf man so eine Aussage nicht treffen, denn so stimmt sie sicher nicht. Wenn man die Aussage jedoch auf den Bereich des mobilen Bezahlens herunterbricht, dann habe ich das Gefühl, dass die Aussage sehr wohl stimmt.

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich gerade in Jakarta. Tagsüber beraten wir Kunden auf der AllPack Messe und abends gehen wir mit ihnen aus. Auf dem Weg von der Messe und zur Messe fällt eines ganz besonders auf.

Mobiles bezahlen wird hier gepusht wie kaum etwas Anderes. Überall werben Unternehmen und Kaufhäuser damit, dass sie nun angeschlossen sind und Banken werben, dass sie nun Apps haben um entsprechende Möglichkeiten zu nutzen.

Wie das ganze aussieht, wenn solche Systeme sich etabliert haben, sieht man in China. Hier eine kleine Geschichte dazu, wie ich überhaupt auf das Thema kam.

Wir waren in Hohhot, in der Inneren Mongolei und hatten bereits 2 Tage voller Meetings hinter uns. An einem Samstag sollte es dann mit der Delegation auf einen Ausflug gehen. Natürlich wurde auch der größte Tempel der Stadt besucht.

Vor dem Eingang saß eine alte Frau. Ihr weißes Haar und ihre, von der Sonne gegerbte Haut, zeugten von langer harter Arbeit unter der Sonne. Diese Frau unterhielt einen kleinen Stand an dem Sie Wasser, Limo und ein paar Fruchtsäfte anbot. Ich wollte einfach ein Wasser kaufen. Normalerweise kein Problem. Doch die Frau wollte mein Geld nicht. Stattdessen zeigte sie auf den QRcode welcher neben ihren Getränkeflaschen aufgestellt war.

Ich verstand erst nicht was sie wollte, bis ein Chinese aus der Delegation auf mich zukam und mir erklärte, dass heute meist mit „WeChatPay“ bezahlt wird. Er nahm sein Smartphone, scannte den Code, gab den geforderten Betrag ein und bestätigte. Die Dame schaute kurz auf ihr Handy, welches sie nun in der Hand hielt, nickte freundlich, sagte etwas und winkte zum Abschied.

Temple habe ich in meinem Leben genug gesehen. Aber diese Selbstverständlichkeit mit der hier via App bezahlt wurde, faszinierte mich. Also folgte ich kurz der Besichtigung um noch schneller wieder in die nächste Einkaufspassage einzutauchen. Und da fiel es mir auf. Egal ob Restaurant, Supermarkt oder Straßenhändler. Überall sah man das WeChatPay logo und/oder den entsprechenden QR Code bzw. einen Code für Alipay.

 

Alipay in einem Taxi in Malaysia

 

Nun mag man denken, dass dies ein lokales Phänomen sei. Aber weit gefehlt. An den darauffolgenden Tagen sind wir nach Shenzhen, Guangzhou und Hongkong gereist. Überall das gleiche Bild. Überall die gleichen Erfahrungen. Unsere Gastgeber bezahlten alles mit ihrem Handy und in jedem Laden konnte man auch mit dem Handy bezahlen.

Ich habe meine Gastgeber vereinzelt mal gefragt, ob sie überhaupt noch Bargeld nutzen. Worauf mir diese fast alle gleich antworteten: „Warum? Brauchen wir hier nicht mehr“. Es klang teilweise schon fast mitleidig gegenüber mir „armen“ Europäer, welcher wohl, immer noch auf Bargeld angewiesen ist.

Ist das denn so? Müssen wir uns schämen, dass wir „immer noch“ Bargeld verwenden.

Das würde ich so nicht sagen. Ich finde es zum aktuellen Zeitpunkt weder schlimm noch rückständig. Ich muss aber auch zugeben, dass ich wohl nur deswegen noch Bargeld mit mir rumtrage, weil die Infrastruktur, in Deutschland, mobiles bezahlen, einfach noch nicht hergibt.

 

Shenzhen-Wochenmarkt.jpg

WeChatPay auf einem Wochenmarkt in China

 

Gibt es denn einen wirklichen Kritikpunkt. Nein. Aber es gibt etwas, dass ich vermisse und das mich mit Sorge erfüllt. Über lange Zeit, war Asien eher für Nachbauen bekannt. Wir haben es entwickelt und Asien hat nachgezogen. Zudem haben sie oft auch erst dafür gesorgt, dass deutsche Entwicklungen ihren Durchbruch hatten und zum internationalen Standard wurden. Man denke hier nur an das Fax-Gerät welches ohne die Asiaten wohl nie so weit gekommen wäre. Oder der Transrapid, welcher zwar von Deutschland erfunden wurde, aber bisher lediglich in Shanghai läuft. Von Fernsehern möchte ich gar nicht erst anfangen. Gute deutsche Marken, welche lange Zeit das Maß der Dinge waren, sind praktisch vom Markt verschwunden oder dümpeln in Nischen umher. Das Geld verdienen heute Hersteller wie Samsung, Tochiba oder LG.

Asien hat heute eine Vorreiterrolle. Bei Geräten mag dies noch mit den günstigen Herstellungskosten zu begründen sein. Aber wie begründen wir Software?

Es gibt in China zwei Bezahlsysteme welche sich den Markt teilen. Zum einen ALIPAY, als Teil der ALIBABA Welt des Visionärs Jack Ma, und zum anderen „WeChatPay“ als Teil der Social Media Plattform „WeChat“. Das sich diese Systeme durchgesetzt haben hat einen einfachen Grund. Sie funktionieren sehr einfach und können von jedem bedient werden und, das ist auch mein Hauptkritikpunkt an der Geschäftswelt bzw. dem Einzelhandel in Deutschland. Die Chinesen haben es einfach gemacht.

Was mir in unserer Konsumwelt fehlt ist der Abenteuer-Gedanke. Diese Zuversicht und der Wille einfach mal etwas zu probieren. Dieser Vorwurf geht zum einen an die Anbieter/Entwickler solcher Apps, aber vor allem auch an die Kaufhäuser und Geschäfte und nicht zuletzt auch an die Banken.

Sie scheinen mehr oder weniger eine Entwicklung zu blockieren bzw. nicht zu forcieren, die erwieseneren Maße von vielen, wahrscheinlich vor allem jungen, Kunden angenommen werden würde und für alle beteiligten viele Vorteile bieten würde.

Warum gibt es in Deutschland, bis heute kein Flächendeckendes einfaches System, dass selbst der Imbissbudenwirt verwenden könnte?

Warum warten die Kaufhäuser und Geschäfte und Händler, mit der Einführung von bestehenden Systemen. Warum wagen sie nicht einfach schon das zu nutzen was da ist?

Warum gibt es bis heute keine App in Deutschland, respektive Europa, die eine einfach Plattform zur Verfügung stellt, mit der via Smartphone eingekauft werden könnte?

Was Letzteres angeht, so muss die Aussage in Teilen revidiert werden. Es ist nicht richtig, dass es keine Apps gibt. Es gibt lediglich kaum Akzeptanzstellen, sprich Händler und Kaufhäuser, die die Möglichkeit nutzen. Faktisch gibt es, meiner Ansicht nach, aktuell zwei Apps auf dem Markt, denen ich das Potenzial zuspreche sich zu einer Standard App entwickeln zu können. Eine davon kommt sogar aus Deutschland.

1: Paydirekt – Diese App, der deutschen Banken, eröffnet heute schon die Möglichkeit Beträge ganz einfach von einer Person zur anderen zu schicken. Die Integration ist sehr einfach und die Nutzung völlig unkompliziert. Was ihr noch fehlt sind mögliche Anbindung in den Verkaufsprozess im Laden. Bisher ist der Ansatz eher Geld an Onlineshops oder privat von einem zum anderen zu senden. Hätte diese App ein Interface, dass auch fürs Einkaufen im Laden genutzt werden könnte, würde Sie evtl. diesen unaufhaltsamen internationalen Trend, zumindest in Deutschland, anführen können.

2: PayPal – Man braucht nicht viel über PayPal zu sagen. PayPal kennt fast jeder und wird von vielen genutzt. Anders als Paydirekt, hat PayPal jedoch bereits ein Interface entwickelt, mit dem Händler und Kunden einfach arbeiten können. Über PayPal.me könnte selbst, der Imbissbudenwirt Geld für die Currywurst bekommen. Dazu muss er lediglich einen Link z.B. http://paypal.me/currybude1 erstellen. Jeder Kunde kann dann ganz einfach in 3 Sekunden das Geld an ihn zahlen. Der Wirt bekommt über PayPal eine genaue Abrechnung und auch der Kunde hat einen vollen Überblick, wofür er welches Geld ausgegeben hat.

Ob diese Entwicklung nun wirklich fortschrittlich ist, kann diskutiert werden. Ich persönlich würde mich jedoch sehr über ein solches einfaches und intuitives mobiles Bezahlsystem freuen und dieses auch nutzen. Ob es sich durchsetzt muss der Markt, also wir alle, entscheiden. Hierzu würde ich mir von unseren deutschen Unternehmen, insbesondere vom Einzelhandel, einfach wünschen, dass sie es probieren und einführen, und nicht abwarten. Denn das Beispiel Asien zeigt, dass es sich tatsächlich zum Standard durchsetzen könnte.

Mein erster Artikel in einer großen Publikation veröffentlicht

Fast bin ich ja schon ein bisschen stolz. Ich hab vor ein paar Jahren angefangen immer wieder für den einen oder anderen, ein paar Artikel, zu schreiben oder beim Schreiben zu helfen. Mit meinem eigenen Blog fing ich dann an, auch mal selber unter meinem Namen zu schreiben. Heute nun endlich konnte ich auch mal ein wenig die Früchte dieser Arbeit ernten. Ein Artikel, den ich verfasst habe, hat es in unsere online Publikation „The Nikonian“ geschafft. Immerhin wird dieses Magazin bis Mitte Januar auf über 160.000 Bildschirmen und mehr als 30.000 iPads aufgetaucht sein. Schon cool, wenn man weiß, das so viele Menschen meinen Artikel lesen werden. Wenn ihr das auch wollt, dann ladet euch doch auch das neue „The Nikonian“ herunter und lest ab Seite 39 was ich empfehle um seine DSLR unbeschadet auch beim Wintersport dabei zu haben.

Wie findet man den richtigen Hochzeitsfotografen – Teil 2

In einem früheren Bericht habe ich mir Gedanken gemacht, welche Kriterien für die Findung eines Guten und des richtigen Hochzeitsfotografen wichtig sind. Dabei habe ich die These aufgestellte, dass es durchaus sinn machen kann, das eigentliche Brautshooting an einem späteren Tag zu machen.

Für diese Aussage bin ich teilweise fast gesteinigt worden. Da kamen Leute auf mich zu und meinten, „Hendric, wie kannst du so was schreiben? Kunden sind völlig verunsichert. Das funktioniert nicht, das Strahlen bekommt man nicht mehr.“

Ich muss zugeben, das Argument mit dem strahlen am Hochzeitstag hat mir zu denken gegeben. Dagegen hatte ich die Erfahrung und Empfehlung unseres Hochzeitsfotografen Dieter Marx, den ganzen Tag zu entzerren und nicht voll mit Terminen zu packen und vor allem nicht noch irgendwo das Shooting zwischen Standesamt und Hochzeit zu packen.

Bevor ich hier weiter erzähle, möchte ich noch ein zweites Argument zwischen drin behandeln. Viele Leser meinten, dass man aufgrund des Hochzeitshootings und der Termine das Standesamt nicht am gleichen Tag der Kirche machen sollte. Dazu frage ich euch warum?

Es gibt einen Hochzeitstag. Ist es der Staat nicht wert, dass man ihm die gleiche Wertschätzung entgegenbringt wie der Kirche. Ist die standesamtliche Hochzeit ein notwendiges Übel das man vorher schnell erledigt? Warum soll die kirchliche Hochzeit mehr wert sein als die Standesamtliche? Ist man nach dem Standesamt nur halb verheiratet?

Bis zum 01.10.2011 morgens war alles, was ich bisher zu dem Thema geschrieben hatte, eine sehr gute Theorie basierend auf den Erfahrungen und Berichten anderer, gemischt mit den Empfehlungen meines Hochzeitsfotografen.

Jetzt bin ich verheiratet und es ist Zeit ein Resümee über den vorherigen Bericht zu schreiben und aus Sicht des Paares zu schreiben ob das, was ich im vorherigen Artikel geschrieben hatte, richtig ist.

Ich mach es kurz: JA

Ja es ist richtig am Morgen aufs Standesamt zu gehen, dieses erste Highlight des Tages zu zelebrieren, zu genießen und zu feiern.

Ja es ist richtig, gemütlich nach Hause zu fahren, mit einem kleinen Kreis der Gäste, die schon auf dem Standesamt waren, zu Mittag zu essen.

Ja es ist richtig, anschließend zur Trauung in die Kirche zu gehen.

Ja es ist richtig sich danach die Zeit zu nehmen mit allen den vielen Hundert Gratulanten vor der Kirche einen Sekt zu trinken.

Ja es ist auch gut dabei immer mal wieder den Hochzeitsfotografen zu sehen, wie er fotografiert.

Ja man kann auch dort ein Paar Bilder mit den Eltern vor der Kirche machen.

Ja es ist superschön mit allen Gästen dann Richtung Wirtschaft (bei uns Festhalle) zu fahren und den Nachmittag zusammen im Gespräch mit allen Gästen zu verbringen.

UND

JA ES IST VERDAMMT WICHTIG UND SCHÖN, WENN MAN DIE GÄSTE NICHT ALLEINE LÄSST, UM IRGENDWO EIN ZWEISTUNDEN SHOOTING ZU ABSOLVIEREN.

Wir hatten das Glück als Brautpaar den ganzen Tag, Abend und Nacht mit unseren Gästen, die zum Teil von sehr weit herkamen, zu verbringen. Wir mussten nicht weg, wir hatten keinen Stress und wir alle konnten es genießen. Übrigens eine Brautentführung haben wir auch abgelehnt. Als Ergebnis hatten wir eine gigantische tolle Hochzeitsfeier.

Zu guter Letzt möchte ich euch noch von dem Nachshooting erzählen.

Bedenkt bitte, dass ihr normalerweise um die 2,5 Stunden dafür an eurer Hochzeit eingeplant habt. Wir haben uns mit unserem Fotografen um 14 Uhr verabredet. Zuhause erstmal ein paar Bilder im sonnendurchfluteten Garten gemacht, bevor es anschließend an eine alte Mühle in der Nähe unseres Dorfes ging. Dort ging es dann los mit vielen verschiedenen Motiven. Nach ca 1,5 Std. waren wir warm. Jetzt konnte es los gehen.

Auf zu den Experimenten. Mit Wasser, Wiese, Holz, Stein uvm. Als wir an der Mühle fertig waren, ging es in die nahe gelegene Gauchachschlucht. Dort hatten wir dann richtig Spaß. Übrigens für alle 2 Stunden shooter, hier ist euer Shooting schon längst zu Ende. Übrigens das nochmalige anziehen des Brautkleids und des Anzugs führt unweigerlich zu einem neuen Glücksgefühl.

Als Wanderer wollten wir es uns natürlich nicht nehmen lassen auch mal in Wanderstiefeln und Brautkleid durch die Felsen zu gehen. Besonders aufpassen mussten wir ja auch nicht.

Von der Schlucht ging es dann noch an viele schöne Orte, die uns viel bedeuten und an denen wir noch ein wenig rumspielen konnten. Den Abschluss machten dann noch einige Bilder mit Sonnenuntergang.

Ich gebe zu, dass hier das mit dem strahlen etwas schwerer wurde, schließlich waren wir schon 5 Stunden unterwegs.

Abschließend bleibt mir nur ein Resümee. Die Eventbilder macht man am Hochzeitstag aber das reguläre Shooting hat am Hochzeitstag keinen Platz und vor allem keine Entfaltungsmöglichkeit.

Dafür gehört das Standesamt in den Hochzeitstag gelegt und nicht Tage zu vor „erledigt“.

 

 

Ist die Bahn nun Super oder Beschissen!

Gestern war ich wieder mit meinem Lieblings-Reiseunternehmen Deutsche Bahn on Tour. In der Regel habe ich nach meinen Reisen eine sehr deutliche Meinung über einen Reiseveranstalter. Es gibt ja in der Regel auch nur zwei Möglichkeiten. Entweder ich habe mich wohlgefühlt oder Sie haben es total verbockt.

Für meine Reise gestern möchte ich es diesmal etwas anders formulieren. Ich bin mir nämlich wirklich nicht ganz sicher. Zunächst einmal mach ich das so, wie die meisten Deutschen es gerne haben. So wie sich gestern auch viele Leute im Zug verhalten haben.

Version 1:

Am frühen Morgen ging es vom Bahnhof Donaueschingen über die Umsteigepunkte Offenburg und Köln mit dem Inter Regio, dem Inter City und dem ICE nach Dortmund. Nach knapp 5 Stunden kam ich überraschend pünktlich in Dortmund am Hauptbahnhof an. Das war ja mal ein absolutes Wunder, dass nichts bei der Bahn schief gelaufen ist. Obwohl, ein ICE hat zwischen Köln und Dortmund komische knarz Geräusche gemacht. Naja die Bahn ist halt ein Saftladen. Da ist alles Marode und die Züge werden total verhunzt.

Am Nachmittag ging es dann auf derselben Strecke wieder zurück nach Donaueschingen. Es war ja klar das der IC von Dortmund nach Köln Verspätung hatte. Dann war der Zug auch noch so voll, dass ich neben so einem alten Typen hocken musste. In Köln war das Chaos dann perfekt. Dort standen zwei ICEs an einem Bahngleis. Keiner wusste, wo er hin muss und welcher Zug der richtige ist. Ich bin dann einfach mal in einen eingestiegen. Wir hatten bestimmt schon 20 Minuten Verspätung. Auf dem Weg nach Offenburg mussten wir dann in Frankfurt den Zug wechseln. Das war doch typisch das die Bahn hier alles durcheinanderbringt. Ich musste dann dort noch mal 5 Minuten warten. Im Zug hat es dann gestunken und mir ist fast schlecht geworden. Beinahe hätte ich meinen Anschlusszug in Offenburg verpasst. Ich war so was von geladen, dass ich am liebsten meine Bahncard verbrannt hätte. Der Abschuss kam dann als der blöde Schaffner sich in Donaueschingen auch noch mit einem „guten Abend, auf Wiedersehen“ persönlich bei mir verabschiedet. Meinte der, er könnte nach der verkorksten Rückfahrt noch irgendetwas Gutes tun?

Version 2:

Am frühen Morgen ging es vom Bahnhof Donaeschingen über die Umsteigepunkte Offenburg und Köln mit dem Inter Regio, dem Inter City und dem ICE nach Dortmund. Die Fahrt war sehr entspannt. Dank Sitzplatzreservierung hatte ich immer einen schönen Fensterplatz und konnte bei der Fahrt durchs sonnige Land über den HotSpot in den Zügen online sein und arbeiten. Pünktlich wie die Maurer, bin ich dann in Dortmund angekommen. Aufgrund der Feiertage sollte die Rückfahrt nicht ganz so reibungslos verlaufen. Am Gründonnerstag Nachmittag kamen ziemlich viele Menschen auf die Idee in den Osterurlaub zu fahren. So kam es das der Inter City etwa 10 Minuten Verspätung hatte. War aber kein Problem, da die Zugbegleiter uns informierten, dass der Zug bis Köln die Verspätung wieder aufholt. Schöner Nebeneffekt dabei war mein Zusammentreffen mit einem Tourengeher der nach Laax zu Skifahren wollte. Es ist sowieso eines der schönsten Vorteile von Bahnreisen. Man trift so viele Menschen, die oft so viele unterschiedliche Geschichten zu erzählen habe, dass einem eigentlich nie langweilig werden kann.

Köln war um diese Uhrzeit wohl der Schmelztiegel der Osterurlauber. Aber die Bahn war darauf vorbereitet. So standen gleich zwei doppel Züge für unsere Fahrt in den Süden parat. Die hatten einfach mal eben schnell (oder auch schon länger geplant) einen ganzen ICE dazu gestellt. Überall standen Mitarbeiter der Bahn die die Fahrgäste informierten. So ging es dann als Groß Convoi mit 4 Zügen und über 290km/h Richtung Süden. Was ich nicht bedacht hatte, war die Tatsache, dass auf der Strecke immer ein Doppelzug verkehrt der dann in Frankfurt getrennt wird. Ein Teil geht nach Regensburg und der andere geht nach Basel. Jetzt war mir auch klar, was die Mitarbeiter dort erzählt hatten. Ich hätte wohl etwas besser aufpassen sollen. Aber auch das war kein Problem. Die freundlichen Mitarbeiter der Bahn haben uns noch mal informiert und so bin ich in Frankfurt dann in den richtigen Zug gestiegen.

Von dort ging es dann normal weiter. Durch die Masse an Leuten hatten wir knapp 5 Minuten Verspätung, die die Lokführer aber bald wieder rausgefahren hatten. Über Offenburg und Villingen ging es dann nach Hause. Da der Zug um halb zwölf fast leer war, reichte es dem Schaffner fast allen Gästen persönlich Frohe Ostern zu wünschen. Das fand ich richtig cool. Keine Ahnung, wie lang der schon auf den Beinen war, aber freundlich war er bis spät in die Nacht.

Ergebnis:

Man kann über die Bahn schimpfen, wie man will. Ich glaube, wenn man sich vor Augen hält, das dieses Uhrwerk jeden Tag zig tausendfach im ganzen Land aufeinander abgestimmt sein muss, dann wundert es mich, dass wir auf der ganzen Piste gerade mal 10 Minuten vom Plan abgewichen sind. Dazu kam noch der Osterverkehr, für den die Bahn mal eben schnell einfach ein paar Hundert Tonnen Stahl mehr aus dem Ärmel gezaubert hat.

Wenn man dann noch berücksichtigt, dass sich gestern jeder Bahnmitarbeiter angestrengt hat, sein bestes gegeben hat, immer freundlich war und alles lief, obwohl Sie von der Masse der Reisenden nahezu überrannt wurden, dann muss ich sagen, dass ich wiedereinmal als zufriedener Bahnkunde den Bahnhof verlassen hab.

Ich denke mal das ich hier nicht weiter erwähnen muss, dass ich eindeutig die Version 2 bevorzuge.

Tipp:

Auch wenn man gerne über die Bahn schimpft, hoffe ich das der eine oder andere mal darüber nachdenkt, was dort geleistet wird. Wenn man dann noch ein wenig entspannter an die Geschichte dran geht und sich nicht von den ganzen Motzkis auf der Strecke anstecken lässt, dann ist Bahn fahren sehr entspannend.

Rezension „Pixie“ von Andrea Mohr

Anders als sonst üblich, muss ich bei dieser Rezension etwas weiter ausholen. Wer mein Beuteschema kennt, der weiß das ich für Thriller, Krimis, Action jederzeit zu haben bin. Kaum jedoch für die Lebensgeschichte einer Frau. Daher war ich auch etwas irritiert, als mir mein Bruder im Januar das Buch von Andrea Mohr empfahl.  Normalerweise ignoriere ich Empfehlungen meist sehr Großzügig. Bis eben auf eine Ausnahme.

Wenn mein Bruder mir Filme oder Bücher empfiehlt, dann kann ich mit 98% Sicherheit sagen, dass es sich lohnt seinem Rat zu folgen. So habe ich auch dieses Mal umgehend eine Bestellung beim Online Händler meines Vertrauens ausgelöst. Anschließend habe ich mich dann doch nochmal eingehend mit den Texten im Internet beschäftigt und fürs erste damit gerechnet, dass dieses Buch wohl zu den 2% gehören wird, die mir nicht gefallen. Etwas wiederwillig habe ich schließlich aber doch angefangen zu lesen. Schließlich kann mein Bruder doch nicht so falsch liegen.

Ich glaube es ging zwei Seiten (Vorwort nicht eingerechnet) bis Sie mich hatte. Wie ihr wisst, weigere ich mich den Inhalt eines Buches in meinen Berichten zu erklären. Ihr seid im Internet, da steht alles was ihr wissen müsst. Von mir erfahrt ihr hier nur ob das Buch gut ist oder nicht.

Wie gesagt Andrea Mohr brauchte genau zwei Seiten bis Sie mich hatte. Sie beginnt Ihre Geschichte mit ihrer Verhaftung, welche den Anfangspunkt einer 5 jährigen Reise durch das härtestes Frauengefängnis Australiens darstellt. In den darauffolgenden 308 Seiten erzählt Sie ihren Weg den Sie als Neuling beginnt.  Immer wieder nimmt Sie den Leser mit in verschiedene Nebengeschichten die zum einen erklären warum alles so passierte wie es passieren musste aber auch den Menschen Andrea Mohr näher Beleuchten.

Im Laufe der Geschichte lernt man sehr viel über das Gefängnis und die Frauen die dort ihre Haftstrafen verbüßen. Sie erzählt wie man sich dort zurechtfinden muss und wie heftig es dort teilweise zugeht. Auf der anderen Seite zeigt Sie aber auch das die Frauen dort ganz einfach Menschen sind. Menschen mit Gefühlen, Sehnsüchten und ganz unterschiedlichen individuellen Geschichten.

Andrea Mohr beschreibt wie Sie sich durchbeißt, ihre Probleme aber auch ihre Erfolge. Man ist gefesselt. Man legt das Buch ungern aus der Hand und vor allem freut man sich wie ein kleines Kind wenn man das Buch endlich weiterlesen darf . Berücksichtigt man, dass jeder im Grunde das Ende der Geschichte kennt, schließlich hat Sie ein Buch geschrieben und ist in Deutschland, so hat Andrea Mohr einen besonderen Schreibstil der mich auf mehr Werke von Ihr hoffen lässt.

Sie ist direkt, Sie nennt die Dinge beim Namen und vor allem Sie schwafelt nicht. Man weiß jederzeit wo man sich in der Geschichte befindet. Aber vor allem hat man das Gefühl Andrea Mohr zu verstehen. Während ich das Buch gelesen haben, hat Sie mich immer stärker fasziniert. Ich konnte mitfühlen wie Sie gekämpft hat, wie Sie sich der Herausforderung gestellt hat.

Es gibt wenige Menschen die wankend in die Hölle gehen um auf der anderen Seite stärker denn je daraus hervor zu kommen.

Ich denke es erübrigt sich an dieser Stelle noch zu schreiben das dieses Buch auf seine ganz besondere Art sehr gut ist. Von mir gibt es eine absolute Kaufempfehlung.

Und für alle die Andrea auch mal im Video sehen möchten, kann ich hier ein Interview mit Andrea Mohr in der ZDF Show „Markus Lanz“ vom 18.01.2011 empfehlen.